wohnvest.

Immobilienarten · Pflegeimmobilie

Pflegeimmobilie als Kapitalanlage: Pacht statt Mieter, zwanzig Jahre lang.

Du kaufst ein Apartment in einer Pflegeeinrichtung, der Betreiber pachtet das ganze Haus und zahlt, auch wenn dein Apartment leer steht. Die passivste Asset-Klasse, mit einem Risiko, das du prüfen musst: den Betreiber.

8 Minuten Lesezeit · Stand November 2026

Bei einer Pflegeimmobilie kaufst du kein Wohnobjekt mit Mieter, sondern ein Apartment in einer stationären Pflegeeinrichtung, als Teileigentum im Grundbuch. Dein Vertragspartner ist nicht die Bewohnerin, sondern der Betreiber des Hauses. Er pachtet die gesamte Einrichtung für 20 bis 25 Jahre und zahlt dir deinen Anteil der Pacht, jeden Monat, unabhängig davon, ob dein Apartment gerade belegt ist.

Das ist der Reiz des Modells: keine Mietersuche, keine Nebenkostenabrechnung, keine Instandhaltung im Apartment, kein Mieterwechsel. Der Bedarf ist demografisch gesichert: Bis 2040 steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf über sechs Millionen. Und genau deshalb muss das Risiko, das bleibt, besonders sorgfältig geprüft werden: Ohne Betreiber ist ein Pflegeapartment schwer zu nutzen.

Steckbrief

Einstieg
ab ca. 150.000 €
Rendite
3,5 bis 4,5 %, indexiert
Abschreibung
3 % linear oder 5 % degressiv (Neubau)
Aufwand
nahezu null
Hauptrisiko
Ausfall des Betreibers
Für wen
Anleger, die absolute Passivität wollen

Wie das Modell funktioniert

Ein Projektentwickler baut eine Pflegeeinrichtung mit 80 bis 120 Plätzen und teilt sie in Apartments auf, die einzeln an Kapitalanleger verkauft werden. Jedes Apartment hat ein eigenes Grundbuchblatt und einen Miteigentumsanteil am Gemeinschaftseigentum. Parallel schließt die Eigentümergemeinschaft einen Pachtvertrag mit einem Pflegebetreiber über das ganze Haus.

Der Betreiber zahlt eine Gesamtpacht, die anteilig auf die Eigentümer verteilt wird. Dein Anteil hängt von der Größe deines Apartments ab, nicht von seiner Belegung. Die Pacht ist in der Regel an den Verbraucherpreisindex gekoppelt: Steigen die Preise um 10 %, steigt die Pacht um einen vertraglich festgelegten Anteil davon.

Instandhaltung ist geteilt: Der Betreiber trägt die Innenräume und den laufenden Betrieb, die Eigentümergemeinschaft trägt „Dach und Fach“, also Gebäudehülle, Haustechnik und tragende Teile. Dafür zahlst du eine Rücklage, meist 0,50 bis 1 € pro Quadratmeter und Monat.

Zahlen: Pacht, Rendite, Kosten

Pflegeapartments kosten je nach Region und Baujahr zwischen 150.000 und 250.000 €. Die Pachtrendite liegt bei 3,5 bis 4,5 % des Kaufpreises, bei Neubauten eher am unteren, bei älteren Einrichtungen am oberen Ende. Anders als bei Wohnungen gibt es keine Mietpreisbremse und keine Kappungsgrenze, die Pacht steigt mit dem Index.

PostenRichtwertBesonderheit
Kaufpreis150.000 bis 250.000 €Teileigentum, eigenes Grundbuchblatt
Pacht3,5 bis 4,5 % pro Jahrauch bei Leerstand, indexiert
Pachtlaufzeit20 bis 25 Jahreoft mit Verlängerungsoption
Verwaltung20 bis 30 € pro MonatWEG- und Sondereigentumsverwaltung
Rücklage Dach und Fach0,50 bis 1 € je m² und MonatEigentümer tragen die Hülle
Kaufnebenkosten6 bis 10 %meist ohne Makler, direkt vom Anbieter

Dazu kommt das bevorzugte Belegungsrecht: Viele Verträge räumen dir und deinen Angehörigen ein Vorrecht auf einen Pflegeplatz in der Einrichtung ein, auch in einem anderen Haus desselben Betreibers. Das ist kein Renditefaktor, für viele Käufer aber ein echtes Argument.

Steuern: wie beim Neubau

Steuerlich ist die Pflegeimmobilie eine vermietete Immobilie. Die Pacht sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, Zinsen, Verwaltung und Abschreibung sind Werbungskosten. Bei Neubauten mit Baubeginn ab Oktober 2023 gilt die degressive AfA von 5 % auf den Restwert, sonst 3 % linear für Gebäude ab 2023 oder 2 % für ältere Einrichtungen.

Die Sonderabschreibung nach § 7b greift bei Pflegeeinrichtungen meist nicht, weil sie keine klassischen Mietwohnungen sind. Dafür entfällt das Risiko aus der Zehnjahresbindung. Nach zehn Jahren Haltefrist ist ein Verkaufsgewinn steuerfrei. Was die Abschreibung bei deinem Einkommen bringt, rechnet der Steuerrechner mit dem Modell Neubau.

Das Betreiberrisiko: der Punkt, der alles entscheidet

Der Pachtvertrag ist nur so gut wie der Betreiber, der ihn erfüllt. Fällt er aus, muss die Eigentümergemeinschaft einen neuen finden. Das gelingt bei einer gut gelegenen, modernen Einrichtung meist innerhalb von Monaten, bei einer veralteten in schlechter Lage unter Umständen nie. Deshalb prüfst du nicht das Apartment, sondern den Betreiber:

  • Bonität und Größe. Betreiber mit mehr als zwanzig Einrichtungen und veröffentlichten Bilanzen sind das Minimum. Frag nach der Eigenkapitalquote.
  • Auslastung. Über 90 % im Bestand des Betreibers ist gesund. Unter 85 % ist ein Warnsignal.
  • Pachtvertrag. Laufzeit, Indexierung, Kündigungsrechte, Instandhaltungsteilung. Lass ihn dir vor der Reservierung geben.
  • Bedarfsanalyse des Standorts. Pflegeplätze je 1.000 Einwohner über 65 in der Region, Wettbewerb im Umkreis von 15 Kilometern.
  • Landesheimrecht. Einzelzimmerquote und Mindestgrößen nach dem jeweiligen Landesgesetz. Ein Haus, das die Vorgaben nicht erfüllt, verliert die Betriebserlaubnis.

wohnvest prüft Pflegeanbieter auf Betreiberbonität, Pachtvertrag und Standortanalyse, bevor sie in die Empfehlung kommen. Anbieter, die den Pachtvertrag erst nach der Reservierung zeigen, fallen durch.

Wiederverkauf: ein eigener Markt

Ein Pflegeapartment kannst du nicht an Selbstnutzer verkaufen, nur an andere Kapitalanleger. Der Zweitmarkt ist kleiner als bei Wohnungen, aber er existiert: Über spezialisierte Vermittler und die Anbieter selbst wechseln Apartments in laufenden Einrichtungen den Besitzer, meist zu Preisen, die sich aus der laufenden Pacht und der Restlaufzeit des Vertrags ergeben.

Daraus folgt: Je länger der Pachtvertrag noch läuft und je besser der Betreiber, desto leichter der Verkauf. Kaufst du in ein neues Haus mit 25 Jahren Pacht, hast du nach zehn Jahren noch 15 Jahre gesicherte Einnahmen zu verkaufen. Das ist das Argument, das der nächste Käufer hören will.

Für wen die Pflegeimmobilie passt

Sie passt zu dir, wenn du Einnahmen willst, um die du dich nicht kümmern musst, den Betreiber als Risiko verstehst und die Prüfung ernst nimmst. Der Einstieg ab 150.000 € ist niedrig, die Rate mit 4,5 % Zins und 1,5 % Tilgung bei rund 750 € im Monat, die Pacht deckt davon 60 bis 70 %, die Steuererstattung einen Teil des Rests.

Sie passt nicht, wenn du eine Wohnung haben willst, in die du im Notfall selbst ziehen oder die du an Selbstnutzer verkaufen kannst. Und sie passt nicht, wenn du die Betreiberprüfung überspringen willst, weil das Exposé so überzeugend ist. Das Exposé ist nie das Risiko.

Rechenbeispiel: Pflegeimmobilie bei 60.000 € Bruttogehalt

Pflegeapartment für 170.000 €, 4,2 % Pachtrendite, degressive AfA ohne § 7b, 60.000 € Bruttojahresgehalt, Vollfinanzierung zu 4,5 % Zins und 1,5 % Tilgung, 2 % Wertsteigerung pro Jahr.

Deine Zuzahlung pro Monat

24 €

Rate 850 € minus Miete 595 € minus Steuererstattung 231 €. Miete und Finanzamt tragen 97 % der Rate.

Kaufpreis, vollfinanziert
170.000 €
Kreditrate pro Monat
850 €
Miete pro Monat
595 €
Abschreibung im ersten Jahr (5 % des Gebäudewerts)
6.800 €
Steuererstattung pro Monat, erstes Jahr
231 €
Steuererstattung in zehn Jahren
19.267 €
Getilgt in zehn Jahren
31.335 €
Vermögen nach zehn Jahren (Wert minus Restschuld)
68.564 €

Annahmen: Gebäudeanteil 80 %, zu versteuerndes Einkommen 80 % vom Brutto, Einkommensteuertarif 2025 ohne Soli und Kirchensteuer, Mietsteigerung 1,5 % pro Jahr, 660 € Verwaltung und Instandhaltung pro Jahr. Keine Steuer- oder Anlageberatung.

Vor- und Nachteile der Pflegeimmobilie

Dafür

  • Pacht auch bei Leerstand, 20 bis 25 Jahre Vertrag
  • Kein Mieterkontakt, keine Nebenkostenabrechnung, keine Instandhaltung innen
  • Pacht indexiert, keine Mietpreisbremse, keine Kappungsgrenze
  • Demografisch gesicherter Bedarf
  • Bevorzugtes Belegungsrecht für dich und Angehörige
  • Niedriger Einstieg ab 150.000 €

Dagegen

  • Betreiberausfall ist das zentrale Risiko
  • Apartment nur als Pflegeplatz nutzbar, nicht zum Wohnen
  • Zweitmarkt kleiner als bei Wohnungen, nur Kapitalanleger als Käufer
  • Dach und Fach bleiben beim Eigentümer
  • Kein § 7b, Wertsteigerung meist unter Wohnungen

Fazit

Die Pflegeimmobilie ist die passivste Kapitalanlage, die der Immobilienmarkt bietet. Ein Vertrag, ein Betreiber, eine Pacht, die mit dem Index wächst. Das Modell steht und fällt mit dem Betreiber, deshalb ist die Prüfung keine Formsache, sondern die Investition selbst.

Gute Pflegeprojekte werden in Monaten verkauft, meist über Anbieter mit Käuferlisten. wohnvest kennt die, deren Betreiber die Prüfung bestehen. Sag uns dein Budget, und wir empfehlen dir den passenden.

Anbieter für Pflegeimmobilie finden

Kostenlos in 60 Sekunden

Häufige Fragen zur Pflegeimmobilie

Bekomme ich die Pacht wirklich auch bei Leerstand?

Ja, das ist der Kern des Modells. Der Betreiber pachtet die ganze Einrichtung und zahlt die Gesamtpacht an die Eigentümergemeinschaft, unabhängig von der Belegung einzelner Apartments. Dein Risiko ist nicht der Leerstand, sondern die Zahlungsfähigkeit des Betreibers.

Was passiert, wenn der Betreiber insolvent geht?

Der Pachtvertrag endet oder wird vom Insolvenzverwalter fortgeführt. Die Eigentümergemeinschaft sucht einen neuen Betreiber, was bei modernen Häusern in guter Lage meist innerhalb von drei bis zwölf Monaten gelingt. In dieser Zeit fällt die Pacht aus. Eine Rücklage von sechs Monatsraten ist deshalb sinnvoll.

Kann ich das Apartment selbst nutzen oder vermieten?

Nein. Das Apartment ist Teil der Pflegeeinrichtung und an den Pachtvertrag gebunden. Du kannst es weder bewohnen noch an Dritte vermieten. Was du hast, ist das bevorzugte Belegungsrecht: ein Vorrang auf einen Pflegeplatz für dich oder Angehörige.

Wie finde ich heraus, ob der Betreiber solide ist?

Über veröffentlichte Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger, die Zahl und Auslastung seiner Einrichtungen, Bewertungen des Medizinischen Dienstes und die Frage, seit wann er am Markt ist. Betreiber mit über zwanzig Häusern, über 90 % Auslastung und mehr als zehn Jahren Historie gelten als solide.

Lohnt sich eine Pflegeimmobilie steuerlich?

Wie ein Neubau: Bei Baubeginn ab Oktober 2023 gilt die degressive AfA von 5 %, sonst 3 % linear. Zinsen und Verwaltung sind Werbungskosten. Die Steuerwirkung ist niedriger als beim Denkmal, aber die Pacht ist höher und stabiler. Für Anleger mit Fokus auf Einkommen statt Steuer ist das die richtige Reihenfolge.

Zum Vertiefen

Dein Zugang zu Off-Market-Kapitalanlagen

In 60 Sekunden weißt du, welcher Anbieter zu dir passt.

Kein Objekt, keine Verpflichtung, keine Kosten. Wenn es nicht passt, sagen wir dir das im Gespräch. Wenn es passt, bekommst du Objekte, die der Markt nie sieht.

  • 30 Minuten, kostenlos
  • Deine Zahlen, nicht irgendwelche
  • Klare Antwort: ja oder nein

Was willst du mit Immobilien erreichen?

Off-Market-Objekte gehen an die, die ein Suchprofil haben. Wer wartet, sieht nur, was übrig bleibt.

Jetzt Matching starten